Wenn das Glück aus dem Gesicht strahlt

Sie kamen jeden Tag, auf eine Runde Skat und einen Kaffee. Vier Männer, alle vermutlich wohnungslos. Alle auf der Suche nach Gesellschaft, nach Gemeinschaft, nach einem ruhigen, warmen Ort. Gefunden haben sie all das in der Bahnhofsmission Köln. Die ökumenische Einrichtung am Ende von Gleis 1 im Kölner Hauptbahnhof wird von der evangelischen und der katholischen Kirche gemeinsam betrieben. Offen ist sie für jede und jeden. Und so kommen im Jahr mehr als 35.000 Menschen mit unterschiedlichen Anliegen, manche auf der Suche nach Ruhe, andere auf der Suche nach Rat, manche auf der Suche nach Reisehilfe für Alt oder Jung. Die Bahnhofsmission ist eine der zahlreichen Einrichtungen in Köln, in denen sich die Kirchen sozial engagieren und wo Menschen ehrenamtlich mitarbeiten.

Die Kartenrunde zählte lange zu den „Stammgästen“. Wie alle Besucher wussten sie: Hier können sie einfach sitzen und sein. Sie können, aber sie müssen nicht mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern reden. Sie können Hilfe finden, wenn sie wollen. Aber keiner drängt sie zu irgendwas. Ganz bedingungslos gab es für sie hier immer einen heißen Kaffee oder Tee, ein kaltes Getränk und eine gemütliche Sitzecke. Und das während der täglichen Öffnungszeiten von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends. Auch dann, wenn Ämter schon geschlossen haben, auch dann, wenn keiner Geld hat für ein Café.

Die Kölner Bahnhofsmission hilft pro Jahr mehr als 35.000 Menschen

„Alles prima“ war die immer gleiche Antwort auf die immer mal wieder gestellte Frage wie es ihnen gehe, ob sie etwas brauchen und dass sie doch wüssten, „dass wir mehr können als nur Kaffee auszuschenken“, wie Corinna Rindle, die hauptamtliche Leiterin, erzählt. Und dann, eines Tages, kam Alex* doch zu Rindle. „Dem Max geht es nicht so gut“, sagte Alex und dass der ihn geschickt habe, um für ihn nach Hilfe zu fragen. „Am Ende war klar, dass es vor allem Alex war, der Hilfe brauchte“, berichtet Rindle. Es hatte seine Zeit gedauert, bis er soweit war, nach Hilfe zu fragen und Hilfe anzunehmen – doch dann wurde die Bahnhofsmission für ihn, wie für so viele Menschen, zur ersten Station in ein neues Leben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmission sind oft die ersten, die dabei helfen, wenn jemand sein Leben wieder in die Spur bringen will. Sie vermitteln zu psychosozialen oder sozialpsychologischen Diensten, zu Ämtern, zu Fachberatungsstellen und Ärzten. „Heute hat Alex wieder eine Wohnung und Arbeit. Und es geht ihm gut“, freut sich Corinna Rindle.

Doch es sind nicht nur Arme und am Rande der Gesellschaft Lebende, die in der vom katholischen Verband IN VIA und der evangelischen Diakonie getragenen Einrichtung Rat und Hilfe finden. Es sind etwa Kinder, die am Wochenende allein mit der Bahn unterwegs sind und von Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission begleitet werden. Und es sind behinderte oder alte Menschen, die allein nicht oder nicht mehr den Ein-, Aus- oder Umstieg bewältigen könnten. Oder die sich alleine nicht durch den Bahnhof trauen. Gerade ihnen kann übrigens auch – ganz unabhängig vom Reisestress – eine der monatlich stattfindenden Seniorenführungen durch den Hauptbahnhof helfen. Unter dem Leitwort „Älter werden und mobil bleiben“ lernen die Teilnehmer die verschiedenen Gänge und Einrichtungen im Bahnhof kennen und bekommen Tipps, wie sie sich und ihr Gepäck möglichst sicher durch den Bahnhof bringen. Wobei sonst aber auch weiterhin die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmission helfen. „Es ist so schön, wenn ihnen dann das Glück aus dem Gesicht strahlt“, freut sich Rindle.

Rund 80 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer hat das Team. Dazu kommen zwei junge Menschen im Bundesfreiwilligendienst oder im Freiwilligen Sozialen Jahr, Praktikantinnen und Praktikanten sowie Honorarkräfte. Alle Ehrenamtlichen nehmen an intensiven und regelmäßigen Schulungen und Fortbildungen teil, vom Beratungsgespräch über Erste Hilfe bis zur deeskalierenden Kommunikation. Wer ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission mitarbeiten will, durchläuft einen mehrstufigen Prozess: nach der Teilnahme am regelmäßig stattfindenden Infoabend und „einer Nacht drüber schlafen“, wie Rindle sagt, folgt die Hospitation. „Die dauert mehrere Schichten“, erklärt Ann Christin Frauenkorn, die stellvertretende Leiterin. Danach entscheiden beide Seiten, ob der Dienst miteinander passt. „Grundsätzlich bin ich immer dafür, die Menschen erst einmal zu ermutigen, bei uns anzufragen und es zu versuchen“, so Frauenkorn. Denn wenn es passt, ist eines sicher: „Es ist eine wundervolle und spannende Arbeit! Jeder Tag ist anders und jeden Tag kommen neue Menschen.

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